Bevor du dir eine Siebträgermaschine kaufst!
Du willst dir eine Siebträgermaschine kaufen, aber bist dir noch nicht ganz sicher, ob es das richtige für dich ist? Hier ist das ausführliche Video zu dem Thema:
In meiner Storefront habe ich dir verschiedene Preiskategorien von Siebträgern mit Equipment zusammengestellt (Affiliate Link). Hier ist eigentlich für jeden was dabei, der in das „Siebträger-Game“ einsteigen möchte. 🙂
Es gibt allerdings wichtige Punkte mit, die du wissen solltest, bevor du dir eine Siebträgermaschine kaufst. In diesem Blogartikel stelle ich dir 5 wichtige Punkte vor, die du vorher wissen solltest.
Einleitung
Sobald die Geburtstagsuhr die 30 geschlagen hat, heißt es: Rennrad, Marathon oder Siebträgermaschine? Bei mir wurde es letzteres. Diese Euphorie schwappt allerdings schnell zu Frust über. Freunde berichten mir regelmäßig: „Die Maschine ist toll, aber der Kaffee schmeckt irgendwie nicht so wie im Café.“ Das Problem liegt dann nicht an der Maschine selbst, sondern daran, dass sie sich vorab nicht informiert haben, was eine Siebträgermaschine wirklich bedeutet.
Wichtiger Hinweis: Mein Anspruch ist der Spezialitätenkaffee – guter, handwerklich zubereiteter Espresso. Je nach deinen Zielen können diese Punkte unterschiedlich relevant sein. Falls du „einfach einen guten Kaffee“ möchtest, können manche dieser Aspekte weniger wichtig für dich sein. Überlege dir also vorab: Was ist mein Ziel mit einer Siebträgermaschine? Was ist mein Anspruch?
Punkt 1: Die Maschine ist nicht alles – Die Kaffeemühle ist entscheidender
Das ist der größte Irrtum, den ich beobachte: Viele Menschen denken, dass eine teure Siebträgermaschine automatisch guten Kaffee produziert.
Das funktioniert leider nicht so.
Hier ist die Wahrheit: Eine Siebträgermaschine baut 9 Bar Druck auf – und das war’s schon. Sie ist eigentlich „nur“ eine Heiz- und Druckmaschine. Die eigentliche Vorarbeit, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, leistet deine Kaffeemühle.
Warum die Mühle so wichtig ist
Die Mühle ist verantwortlich für:
- Konsistente Mahlergebnisse: Sie muss immer wieder homogenes, gleichmäßiges Mahlgut produzieren
- Wiederholbarkeit: Nur eine gute Mühle ermöglicht dir, denselben Espresso zweimal hintereinander zu brühen
- Geschmack: Eine schlechte Mühle erzeugt zu viele feine Partikel und sehr unkonsistente Mahlergebnisse – das führt zu Über- oder Untererextraktion (Säure und Bitterkeit)
Meine Empfehlung: Nehme dich vor günstigen elektrischen Kaffeemühlen in Acht, sondern gebe mindestens 200–300 Euro für eine gute Kaffeemühle aus. Das Ergebnis wird besser sein, als wenn du 800 Euro für die Maschine und nur 150 Euro für eine schlechte Mühle ausgegeben hast.
Punkt 2: Kaffeebohnen – Frisch geröstet, nicht aus dem Supermarkt
Das zweite Problem, das ich häufig sehe: Menschen kaufen Kaffee im Supermarkt – und wundern sich dann, warum der Espresso nicht schmeckt.
Die Gründe sind folgende:
Warum gemahlener Kaffee nicht funktioniert
- Aroma verloren: Der Mahlprozess setzt Aromen frei, die sich schnell verflüchtigen
- Keine Justierbarkeit: Gemahlener Kaffee kann nicht mehr auf den richtigen Mahlgrad eingestellt werden – er ist bereits festgelegt
- Ziel verfehlt: Mit einer Siebträgermaschine möchtest du den Espresso auf jede einzelne Röstung abstimmen und das Beste heraus extrahieren. Das funktioniert nur mit ganzen Bohnen.
Warum auch die BARISTA Edition aus dem Supermarkt nicht ausreicht
„Aber der Supermarkt hat doch Bio-Kaffee in ganzer Bohne!“ Ja, das stimmt. Aber:
- Röstdatum unbekannt: Du weißt nicht, wann die Bohnen geröstet wurden. Sie können bereits Monate alt sein.
- Nicht nachverfolgbar: Beim Großeinkauf ist die Rückverfolgbarkeit schlecht.
- Geschmackliche Konsequenzen: Alte Bohnen lassen sich schwer mahlen und führen zu Problemen bei der Espresso-Einstellung.
Wenn du versuchst, 6 Monate alte Bohnen auf den Mahlgrad einzustellen, wirst du schnell feststellen: Das funktioniert nicht zuverlässig.
Die Lösung: Lokale Kaffeeröster
Beste Lösung: Suche dir einen lokalen Kaffeeröster in deiner Stadt. Dort bekommst du:
- Frisch geröstete Bohnen (idealerweise nicht älter als 2–3 Wochen)
- Beratung: Der Röster kann dir sagen, welche Bohne zu deinem Siebträger und deinem Geschmack passt
- Transparenz: Du siehst, wann die Bohnen geröstet wurden
Online-Alternative: Es gibt auch gute Online-Röstereien. Achte dort darauf, dass deutlich gemacht wird, wann geröstet wurde.
Kosten: Eine 250g-Packung guter Spezialitätenkaffee kostet durchschnittlich 7–9 Euro. Das solltest du in dein Budget einplanen – es ist eine regelmäßige, laufende Ausgabe.
Punkt 3: Platz und Zubehör – Mehr als du denkst
Das unterschätze ich selbst anfangs: Eine Siebträgermaschine mit Mühle nimmt erheblich Platz weg.
Was dein Setup braucht
- Siebträgermaschine: ~30 x 40 cm (je nach Modell)
- Kaffeemühle: ~20 x 20 cm
- Zubehör: Tamper, Tampermatte, Abschlagbehälter, Milchkännchen, Reinigungswerkzeuge
Besonders in meiner kleinen Küche musste ich erst mal eine geeignete Ecke finden. In dieser Anfänger – Plus – Liste findest du schonmal eine grobe Idee, was es ggf. brauchen könnte, wenn du mit der Siebträgermaschine loslegen möchtest.
Der Vergleich zum Vollautomaten
Ein Vollautomat ist hier natürlich attraktiver: kompakt, auf dem Tresen, Knopfdruck – fertig. Das ist verlockend, aber es gibt einen großen Unterschied…
Punkt 4: Die Zeit-Realität – Es ist kein 5-Minuten-Kaffee
Viele stellen sich das romantisch vor: Ich mahle, ich tampe, ich genieße. Fertig in 3-5 Minuten.
Das ist nicht die Realität.
Die echte Zeitrechnung
Aufheizzeit: 15–20 Minuten
- Alle Teile der Maschine (besonders der Siebträger) müssen richtig heiß sein
- Nur dann kann der Kaffee seine Wärme halten und wird nicht geschmacklich beeinflusst
- Das ist keine Verschwendung – das ist notwendig
Zubereitungszeit pro Espresso:
- Bohnen mahlen: 1–2 Minuten
- Tampen + vorbereiten: 1–2 Minuten
- Espresso beziehen: 25–35 Sekunden
- Wartungsarbeiten: 1–2 Minuten
Bei einem Cappuccino zusätzlich:
- Milch schäumen: 2–3 Minuten
- Gründliche Reinigung: 5–10 Minuten
Gesamtzeit für einen Cappuccino: 30–45 Minuten vom Start bis zum Fertig-Trinken.
Der Vollautomat-Vergleich
Mit einem Vollautomaten:
- Knopf drücken → 2 Minuten → Cappuccino fertig
Mit einem Siebträger:
- Vorbereitung, Aufwärmen, Mahlgradabstimmung, Zubereitung, Reinigung → 30–45 Minuten
Freunde fragen mich immer: „Du machst das alles für einen Cappuccino?“ Ja, das stimmt. Aber das führt zum wichtigsten Punkt…
Punkt 5: Das „Siebträger Game“ – Handwerk, das du erlernen musst
Das ist der entscheidende Punkt, den viele übersehen:
Eine Siebträgermaschine ist nicht einfach ein Gerät, das du kaufst und dann läuft. Es ist ein Handwerk, das du aktiv erlernen musst.
Was das bedeutet
- Engagement: Du musst dich selbst mit dem Thema beschäftigen
- Lernbereitschaft: Jede Kaffeebohne, jede Maschine, jede Mühle ist anders – du wirst ständig lernen müssen
- Spaß: Du solltest echten Spaß an der Sache haben, nicht nur das Endergebnis
Das ist nicht abschreckend gemeint – ganz im Gegenteil.
Die Schönheit des Handwerks
Die Kaffeewelt ist unfassbar groß. Ich lerne immer wieder Neues dazu, und das ist das Interessante:
- Sensorik: Was kann Kaffee schmecken? Welche Geschmacksnoten kann ich entdecken? (Kirsche, Schokolade, Nussig, Blumig – ja, all das ist möglich!)
- Verschiedene Röstungen: Jede Bohne braucht andere Einstellungen
- Techniken: WDT, Puck Preparation, Pressure Profiling – es gibt so viel zu lernen
- Experimentieren: Du kannst ständig neue Dinge ausprobieren
Genau diese Vielfalt macht das Thema so faszinierend.
Für wen ist eine Siebträgermaschine richtig?
Perfekt, wenn du:
- Zeit aufwenden möchtest (und das gerne tust)
- Lust auf Handwerk und Lernen hast
- Geschmack optimieren möchtest
- Gerne experimentierst
- Ein Hobby suchst, nicht nur Kaffee
Vielleicht eher nicht, wenn du:
- Schnell einen Kaffee brauchst
- Keine Zeit für Lernen und Vorbereitung hast
- Nur das Endergebnis interessiert
- Ein „Knopfdruck-System“ bevorzugst
Checkliste: Vor dem Kauf einer Siebträgermaschine
Frag dich selbst:
- ✅ Habe ich Platz für Maschine + Mühle + Zubehör?
- ✅ Bin ich bereit, 10–15 Minuten pro Tasse (mit Aufheizzeit sogar bis zu 40 Minuten) aufzuwenden?
- ✅ Habe ich ein Budget für gute Mühle (200–500€) + Maschine (300–1000€) + Zubehör (100–200€) + laufende Bohnenkosten?
- ✅ Interessiert mich der Prozess, nicht nur das Resultat?
- ✅ Habe ich Lust zu lernen und zu experimentieren?
Wenn du alle Fragen mit Ja beantwortest, dann: Willkommen im Siebträger Game!
Fazit: Es ist eine bewusste Entscheidung
Eine Siebträgermaschine ist nicht einfach ein Kaufentscheidung – es ist eine Lifestyle-Entscheidung.
Du kaufst nicht nur eine Maschine. Du kaufst:
- Ein Hobby
- Einen Lernprozess
- Die Möglichkeit, großartigen Kaffee zu verstehen und zu brühen
- Einen Teil deiner täglichen Routine
Wenn das für dich passt, wird es eine fantastische Reise. Wenn nicht, ist das auch vollkommen okay – vielleicht ist ein guter Vollautomat dann doch die bessere Wahl.
Aber wenn du bereit bist, das Handwerk zu erlernen, dann öffnet sich eine unglaublich große und vielfältige Welt. Und genau das macht die Kaffeewelt so spannend.
